Vorhin ist mir ein total mieses Missgeschick passiert! Das hat in mir eine innerliche Vorfreude aufgebaut, nur um sie gleich wieder platzen zu lassen.

Als ich heute Morgen nach der Ubuntu 16.04 Beta 1 gegoogelt habe, lud ich mir aus versehen die chinesische Beta Version auf die Platte: Ubuntu Kylin 16.04 Beta 1. «Kylin» ist nur für China bestimmt. Für den Rest der Welt heißt Ubuntu 16.04 LTS nämlich Xenial Xerus, zu Deutsch «gastfreundliches Borstenhörnchen».

Ubuntu_Kylin_16_04
Nee, das ist nicht «unser» Ubuntu 16.04… Mein Fehler!

Nach dem hochfahren von Ubuntu Kylin in meiner Virtualbox machte ich vor Freude kleine Luftsprünge und dachte, «ooh WOW, ist das fresh!», Canonical traut ich tatsächlich Veränderung zu. Der Login erinnert an Kachel-Windows, es bringt knallig blaue Farben als peppiges Hintergrundbild, das Menü ist plastisch und überhaupt nicht so altbacken wie ich es von Ubuntu 14.04 her kenne. Aber, diese #?%&§!! Sprache ist sogar beim booten chinesisch und lässt sich nur mit viel Mühe auf Deutsch oder Englisch umstellen. Hier ist doch etwas faul.

Ubuntu Kylin Application Toolbar
Aber es wäre mal etwas anderes! Nicht immer das gleiche..

Wenig später habe ich unweigerlich meinen Fauxpass bemerkt: Das ist ausschließlich die Chinesische Version (ubuntukylin.com), sie ist nicht für den Rest der Welt bestimmt. Verdammt! Wieso bekommen die Chinesen etwas schöneres als wir. Sch…schade!

Ubuntu 16.04: So, wie es für uns bestimmt ist

Inzwischen habe ich «unser» westliches Ubuntu 16.04 gefunden und den so genannten Daily Build 16.04 LTS installiert.

Bei «unserem» Ubuntu fällt während des Logins das neue Hintergrundbild auf. Also, ähm, man hat ein dumpfes Bauchgefühl es könnte neu sein. Es ist weiterhin in Rottönen gehalten, bei genauerem Hinschauen aber definitiv neu 😉

Ubuntu_Neues_Hintergrundbild

Nach dem ersten Login stellte sich bei mir die Ernüchterung ein: Optisch ist überhaupt keine Veränderung auszumachen. Und ich hatte gehört es komme bald Unity 8, aber das hier schaut definitiv nach Unity 7 aus. Damit einhergehend wird auch Ubuntu’s Display-Server Mir noch nicht voreingestellt sein. Mir soll X11 ablösen und gilt als heiß diskutiertes Gegenstück zu Wayland.

Ein zweiter Blick, dieses mal in die Programmliste, lässt fast schon Traurigkeit hochkommen. Alles, was ich hier sehe ist altbekannt und kaum etwas ist wirklich neu oder überhaupt erwähnenswert verbessert.

Community an Canonical: Wo bleiben die Innovationen?
Community an Canonical: Wo bleiben die Desktop Neuerungen?

Tschüss, Ubuntu Software Center!

Es gibt Ausnahmen. GNOME Software ist so eine Ausnahme, präsent platziert im Unity-Dash auf der linken Seite (übrigens direkt oberhalb der Amazon-App. Wenigstens die Spyware ähnliche online Amazon-Unity-Dash-Suche ist jetzt standardmäßig ausgeschaltet).

Eine neue Applikation also, um alle anderen Applikationen zu verwalten? Gleich mal reinschauen:

GNOME Software löst in 16.04 LTS hochoffiziell das Ubuntu Software Center ab.
GNOME Software löst in 16.04 LTS hochoffiziell das Ubuntu Software Center ab.

Ein erster Blick in dieses neue Tool zeigt eine flüssige, schnelle und höchst aufgeräumte Oberfläche. Es können wie früher auch hier die Programme bewertet bzw. rezensiert werden.

GNOME Software scheint sich ein bisschen an den üblichen App Stores aus Android oder iOS zu orientieren, was aber überhaupt nicht schlecht sein muss. Rein optisch sollte dieses Tool dennoch etwas aufgehübscht werden, die fast nur in Weiß gehaltene Präsentation passt irgendwie nicht zu Ubuntu’s Rottönen, das hat noch Luft nach oben.

GNOME Software wurde erstmals im gleichnamigen GNOME Desktop 3.10 eingeführt. Es soll nebst RPM und DEB Paketen auch PPAs verwalten können. GNOME Software wurde zwar nicht von Ubuntu-Hersteller Canonical entwickelt, doch es wird hochoffiziell deren altes Ubuntu Software Center ablösen.

Unter der Haube: (Fast) immer sehr frisch

Unter der Haube ändert Ubuntu sehr viel Gutes. Der Kernel wird auf v4.4.0 lauten, ist von Januar 2016 und damit extrem frisch. Es ist sehr wichtig einen neuen Kernel mit zu bringen, denn viele neue WLAN Chips haben die Treiber direkt im Kernel verankert. Unser altes Ubuntu 14.04 LTS hat aufgrund des alten Kernels 3.13.80 manchmal das Problem, dass auf neu gekauften Notebooks der WLAN Treiber nicht ohne Backport oder Kernel Upgrade verfügbar ist.

GLIBC ist besonders wichtig für Games, es erhält ein Minor-Update von 2.19 (14.04) auf 2.21 (16.04).

Nautlius, der Ubuntu Datei Manger könnte eigentlich schon 3.18 vorweisen aber in der von mir getesteten Daily Build ist nur Version 3.14 dabei.

Snappy, die neue und innovative Paketverwaltung von Ubuntu welche parallel zu DEB Einzug halten soll, wird höchstwahrscheinlich nicht im geplanten Launch vom 21. April 2016 dabei sein. Man geht davon aus, Snappy werde in die LTS 16.04 irgendwann später nachgereicht.

Ähnliches Schicksal erleidet Unity 8: Es könne zwar in 16.04 LTS über die Repositories nachinstalliert werden, per Default aktiviert sei Unity 8 aber erst mit Ubuntu 16.10. In dem von mir getesteten Daily Build ist Unity 7.4 vorinstalliert.

Ubuntu 16.04 wird am 21 April 2016 erscheinen – insofern es keine kurzzeitige Verschiebung mehr gibt.

16.04 wird «Vulkan Ready» sein

Ubuntu 16.04 möchte eigentlich in den «Additional Driver» die Grafiktreiber aus der Graphics Driver PPA anbieten können, das war die Idee hinter der Eröffnung dieser PPA durch Canonical Mitarbeiter und hat damit die PPA xorg-edgers im Bereich Binäre Treiber abgelöst (wir berichteten). Nein, bisher befinden sich auch in den «Additional Driver» keinesfalls die brandneusten binären Treiber von AMD bzw. Nvidia. Das hingegen wäre sehr wichtig: Die Veröffentlichung neuer Grafiktreiber wird von Monat zu Monat immer schnelllebiger, insbesondere, aber nicht nur wegen Vulkan. Inwieweit diese Idee des Einbindens der PPA in Ubuntu 16.04 realisiert wurde, kann ich noch nicht beurteilen.

Da auch schon Vulkan 1.04 erschienen ist, sollen dann über «Zusätzliche Treiber» (Systemaktualisierung > Tab „Zusätzliche Treiber“) innerhalb Ubuntu 16.04 auch Vulkan-fähige Treiber zur Auswahl stehen.

Wäre Intel ein Schüler, würde wir Intel als einen Streber bezeichnen. Deren Grafiktreiber sind immer Quelloffen im Kernel dabei. Top!

Das neue Linux Mint 18 heißt «Sarah»

Linux Mint 18 wird auf Ubuntu 16.04 LTS aufbauen und erscheint voraussichtlich im Mai/Juni dieses Jahres. Es dauert also 2-3 Monate, bis die Linux Mint Entwickler ihre neuste Version nach Ubuntu 16.04 Launch freigeben werden.

Der Codename von Linux Mint 18 lautet «Sarah». Wie meine Frau. Vielleicht sollte ich mir schon deswegen auch mal wieder Linux Mint installieren 🙂

Elementary OS 0.4 «Loki» braucht Reifezeit

Bei Elementary OS wird die Version 0.4 Loki auf Ubuntu 16.04 LTS aufbauen. Hier dürfte man kaum so schnell sein wie bei den Mint Kollegen. Bekanntlich brauchen die Elementary OS Entwickler sehr viel Zeit für einen neuen Release ihres Betriebssystems.

Support Ende 14.04 LTS – Soll ich umsteigen?

Ubuntu 14.04 LTS und damit auch Linux Mint 17.3 bzw. Elementary OS 0.3 werden noch bis April 2019 unterstützt. Wer nicht spielt, muss nicht updaten. Ich sehe aber gerade im Bereich Gaming den größten Vorteil, auf Ubuntu 16.04 und deren Derivate wie Mint 18 zu wechseln sobald es möglich ist.

Ich kenne zwar nicht alle Abhängigkeiten, aber zumindest auf meinem Elementary OS 0.3 (Ubuntu 14.04.03) konnte ich den brandneuen NVidia Treiber 361 nicht installieren. Auch nicht mit Kernel 4.4, weil dann wiederum an einer falschen gcc/g++ gemeckert wird. Es dürfte einen Rattenschwanz an Abhängigkeiten haben, dieser Zopf kann durch einen Upgrade (oder eine Neuinstallation – fehlerfreie Upgrades werden nicht garantiert!) auf 16.04 abgeschnitten werden.

Und wie gesagt, im neuen Kernel 4.4 sind auch sehr viele Firmware Treiber enthalten die für ein sorgenfreies Erlebnis nach dem Hochfahren einstehen werden.

3 KOMMENTARE

  1. Ich finde es sehr gut, dass Ubuntu eine Kontinuität im Design hat, und nicht ständig das Aussehen ändert.
    Man hat eben auch die Freiheit, den Desktop und das Aussehen, jeder Zeit durch einen anderen Stiel zu ersetzten.
    Der Unity Desktop setzt eben auf die Konvergenz und ist immer noch in der Entwicklung. Ich möchte keinen Kylin Stil Desktop auf meinem Ubuntu Phone haben.

    • Ich bin ganz deiner Meinung, aber das Design sollte nicht über Jahrzehnte erhalten bleiben. Und ich möchte nach einem Upgrade keine komplett überarbeitete Desktopumgebung haben. Nicht alles auf einmal will ich damit sagen.

  2. Na ja ich denke auf die Neuerungen unter der Haube kommt es an und da ist Ubuntu nun mal sehr gut bestückt. Ich kann allerdings das überaus hässliche Design nicht nachvollziehen auch wenn Alex sagt es ist anpassbar? Ja klar für uns aber nicht für Einsteiger Terminal??? Nee das wäre zu viel verlangt. Entweder man mag es oder eben nicht für mich mit 14.04 die beste Distribution auf dem freien Markt. Funktionalität und tausende von weltweiten Wikis machen den Einstieg mehr als attraktiv. Für mich bis 2019 kein dist Upgrade.

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