Die Macher von Maniac Mansion sind zurück! Mit ihrem neuesten Titel «Thimbleweed Park» verschlägt es uns an den gleichnamigen Ort im Jahr 1987, wo wir als FBI-Agenten versuchen einen geheimnisvollen Mordfall zu lösen.

Point & Click-Fans dürfen sich freuen, ein neuer Titel von den ausgezeichneten Entwicklern Ron Gilbert und Gary Winnick ist erschienen. Frühere Projekte der beiden Entwickler waren für LucasArts die Spielereihe «Monkey Island» (ab 1990) und das Spiel «Maniac Mansion» (1987), welche vor allem für Spieler der alten Schule absolute Klassiker sind und zu jeder gut sortierten Spielesammlung gehören. Ein aktuelleres Beispiel von Ron Gilbert ist wohl das Abenteuer «The Cave» (2013), in dem wir 7 unterschiedliche Charaktere auf ihrer Reise in einer sprechenden Höhle begleiten.

Am 18. November 2014 haben die beiden ehemaligen Kollegen sich dann wieder zusammengeschlossen und ihr neuestes Projekt Thimbleweed Park auf Kickstarter den Fans vorgestellt. Mit einer Unterstützung von über 15.000 Backern konnten sie dann einen Betrag von über 625.000 $ einnehmen und damit die Entwicklung vorantreiben. 2 Jahre später als geplant, wurde das Spiel Thimbleweed Park dann am 30. März 2017 für die Plattformen Linux, Windows, Mac, Xbox One veröffentlicht. Die Versionen für Android und iOS sollen dieses Jahr noch folgen.

Thimbleweed Park in 1987

In Thimbleweed Park spielen wir in dem gleichnamigen Ort zwei FBI-Agenten, die versuchen einen geheimnisvollen Mordfall zu lösen. Bei unserer Suche nach dem, oder der Schuldigen, treffen wir auf unterschiedliche (verrückte) Bewohner der Stadt, welche häufig eine eigene Geschichte erzählen, der wir nachgehen können. So können wir in 5 unterschiedliche Figuren schlüpfen und die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven mit verschiedenen Handlungssträngen erleben. Die einzelnen Spielfiguren besitzen hierfür Notizzettel, welche ihre zu erledigenden Aufgaben aufzeigen. Mehr möchten wir von der Handlung aus Spoiler-Gründen eigentlich nicht verraten, die Stadt lebt nämlich von all den Kuriositäten, Gags und Anspielungen, die es selbst zu erforschen und erleben gibt.

Nach Point-and-Click-Manier navigieren wir uns durch die Stadt durch Klicken mit der Maus und versuchen durch cleveres Kombinieren von Gegenständen und Sätzen (bei Gesprächen) diverse Rätsel zu lösen. Die Rätsel konfrontieren uns hierbei mit verschiedenen Problematiken. Mal müssen wir uns den Weg zu einem anderen Areal freiräumen, ein anderes Mal kümmern wir uns darum einen Gegenstand von einer anderen Person zu bekommen, was aber natürlich nicht ganz so einfach ist.

Thimbleweed Park setzt beim Spielen auf die alte Tradition die Interaktion durch die Benutzung von Verben zu gestalten. So können Objekte beispielsweise nicht einfach so auf einen Charakter gezogen werden, um diese in dessen Besitz übergehen zu lassen, sondern es muss das entsprechende Verb «gib» benutzt werden.

Je nach Spielmodus „Gemütlich“ oder „Hardcore“ gestalten sich die Puzzle-Verkettungen schwerer und länger oder einfacher und kürzer. Gerade für Neueinsteiger von Oldschool Point-and-Click-Adventures ist dies eine tolle Möglichkeit auch Spaß am Spiel zu finden, ohne sich mit frustrierend schwierigen und langen Rätseln auseinandersetzen zu müssen. Ein kleines Beispiel hierfür: Um einen Drucker im Spiel zu benutzen braucht eine Spielfigur schwarze Tinte. Gemütliche Spieler können diese mit etwas Suchen relativ einfach in der Umgebung finden, Spieler des Hardcore Modus müssen die Tinte hingegen erst aus gefundenen Einzelteilen herstellen.

Trotz dieser Vereinfachung für Spieler sei gesagt, dass man für die Rätsel und natürlich auch die Spielwelt trotzdem Zeit haben sollte. Wer diese nicht hat, wird sich schnell lesend in der Komplettlösung ertappen und dadurch eine Menge verpassen. Schließlich lebt dieses Spielprinzip gerade vom Suchen, vom verzweifelten Kombinieren von irrelevanten Objekten, viel Frust und schließlich dem glorreichen Gefühl, wenn man endlich des Rätsels Lösung gefunden hat.

Unsere Kritik am Spiel

Auch wenn die Rätsel für Neueinsteiger einfacher gemacht werden können, ändert sich jedoch nichts daran, dass wir im späteren Verlauf der Handlung beim Rätseln zwischen 5 Charakteren entscheiden müssen. Das ermöglicht unserer Meinung viel zu viele neue Möglichkeiten, da wir nicht wissen, ob wir Puzzle X überhaupt mit dieser Spielfigur (zu diesem Zeitpunkt) lösen können. Dadurch bleiben Handlungsstränge von einzelnen Personen manchmal pausiert, der Spieler erfährt dies aber häufig nicht, da sich weiterhin um das Fortschreiten bei der Aufgabenliste der aktuellen Spielfigur gekümmert wird. Hier hätten Hinweise zum Charakter-Wechsel geholfen, damit nicht frustrierend in Komplettlösungen nachgeschlagen werden muss.

Ebenso ist die Kooperation unter den 5 Figuren stellenweise ein wenig seltsam. So müssen wir teils untereinander Gegenstände tauschen, die beteiligten Figuren haben aber recht wenig miteinander zu tun, oder sind sich gar eher negativ gegenüber eingestellt. Klar wäre es nicht einfach jeden Handlungsschritt jeder Person genauestens zu erklären, dennoch wirkt dies teils ein wenig unlogisch.

Gut gefallen hingegen hat uns die deutsche Lokalisierung des Spieles. Zwar besitzt das Spiel keine deutsche Sprachausgabe, dafür aber eine hervorragende Übersetzungen von Boris Schneider-Johne. Gerade bei 1:1-Übersetzungen gehen häufig viele Gags und Anspielungen der Originalsprache verloren, nicht aber bei Thimbleweed Park. Schneider-Johne war bereits für Übersetzungen von vorherigen LucasArts-Titeln zuständig. Seine Arbeit zeichnet sich vor allem daran aus, dass Boris stets versucht englische Witze für den deutschen Markt anzupassen. So wird beispielsweise die „Tonight Show mit Johnny Carson“ in der deutschen Version zu „Wetten, dass..? mit Frank Elstner“. Wer hingegen die englischen Witze zwingend haben möchte – ja ich meine euch Serien-Fans, die behaupten im O-Ton wäre alles ja viel besser- der kann am PC natürlich auch auf Englisch umstellen.

Auch für Neueinsteiger geeignet

In den 5 Stunden unserer Anspiel-Phase hatten wir sehr viel Spaß in Thimbleweed Park. Vor allem die verschiedenen Charaktere und deren Kuriositäten laden zum Schmunzeln und Erforschen der Spielwelt ein. Neben Veteranen der Point-and-Click- Adventures können aber auch Neueinsteiger wie ich, dank des gemütlichen Modus, Spaß am Spiel finden.

Davon abgesehen sollte man als Spieler stets ein wenig Zeit mitbringen, damit die Umgebung samt NPCs, sowie die Rätsel auch auf einen wirken können. Andernfalls wird man sich früher oder später in der Komplettlösung ertappen, wodurch dann der Spielspaß stark gemildert wird.

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