Die Profiler-Simulation des deutschen Entwicklers Osmotic Studio ist am 16. Dezember für Mac und Linux erschienen. Der Test klärt für wen «Orwell» genau das Richtige ist.

Wer schon immer mal wissen wollte wie es sich als NSA-Mitarbeiter so lebt (abgesehen vom hervorragenden Gehalt) oder was dieser verdammte Nachbar jeden Abend so macht, der kann jetzt seinen Überwachungsdrang mit dem Spiel Orwell stillen.

Digitalisierte Stasi für Anfänger

In Orwell spielen wir einen neuen Angestellten des Orwell-Systems. Dabei handelt es sich um ein modernes Überwachungssystem, das Informationen zu allem und jedem sammelt. Unsere Aufgabe als Profiler ist es die gesammelten Daten auszuwerten und relevante Funde, sogenannte Datachunks auf den Server hochzuladen. Das System greift uns hier stark unter die Arme und markiert uns wesentliche Stellen in verschiedenen Dateien. Der Grund für unseren Einsatz ist ein kürzlicher Terroranschlag auf die Hauptstadt Bonton. Durch Zugriff auf das Orwell-System sollen die Täter gefasst und weitere Vergehen verhindert werden.

In den 5 Episoden des Spieles mit einer Gesamtspieldauer von ca. 4 Stunden durchforsten wir Social-Media-Pages, Blogs, Nachrichten sowie Unternehmenswebseiten. Im späteren Verlauf des Spieles bekommen wir dann Zugriff auf weitere Funktionen, so können wir neben Homepages beispielsweise Telefonate und Chats mitschneiden oder die Kontrolle über fremde Geräte erlangen.

An dieser Stelle weisen wir darauf hin, dass das Spiel (aktuell) leider ausschließlich in der englischen Sprache erschienen ist, was vor allem bei einem Text-Adventure für Leute mit geringen Kenntnissen der Sprache ein wenig fordernd sein kann.

Begleitet werden wir von unserem treuen Supervisor Symes. Dieser gibt uns vor allem in der ersten Episode, welche übrigens kostenlos als Demo verfügbar ist, eine Einweisung zu Orwell und erklärt uns das Interface. Danach sind wir auf uns alleine gestellt. Zwar gibt Symes fast immer Feedback über die hochgeladenen Chunks, jedoch lässt er uns im Kalten stehen, wenn es um die korrekte Wertung geht. Ist natürlich klar, das ist ja auch unsere Aufgabe. So kommt es beispielsweise vor, dass man versehentlich falsch die Funde ein kategorisiert und sich damit den Weg versperrt. Einfaches ziehen auf den Server ist also nicht, man muss bedacht vorgehen und darf nichts aus dem Kontext reißen.

Leider ist es ab und zu ein wenig schwierig, die Relevanz der gefundenen Daten zu erkennen, zumindest ging es uns so beim Spielen. Gerade ich persönlich neige dazu alles an Informationen zu sammeln um so möglichst viel über die Person herauszufinden. Dennoch geht es in der Simulation um Qualität und nicht Quantität, wodurch genaues Entscheiden verlangt wird.

Orwell ist wie ein kurzer futuristischer interaktiver Krimi, in welchen wir als Büroangestellter versuchen das Mysterium um den Anschlag zu lösen. Die Spannung wird neben den oft erschreckenden Erkenntnissen durch den einschlägigen Soundtrack unterstrichen. Bemerken wir etwas mit starken Auswirkungen kommt der sonst so dezente Soundtrack zum Vorschein und betont unser leises „Oh F**k!“.

Gerade durch den futuristischen Grafiklook im Polygon-Stil und den unvorhersehbaren Twists entwickelt sich das Spiel in ein fesselndes Zukunfts-Abenteuer, welches nur etwas an der Monotonie des Gameplays leidet. Zwar sind wir immer mit irgendetwas beschäftigt, dennoch hätten ein paar mehr Zwischensequenzen oder echte Telefonate (statt diese in Textform zu zeigen) das Spielen aufgelockert. Zu gerne wäre ich mit ein paar Kameras auf den Schauplätzen herum gefahren und hätte mir selbst einen Blick der Lage verschafft.

Review Übersicht
Handlung
90 %
Gameplay
70 %
Grafik
80 %
Sound
80 %
Technik
100 %
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Konstantin

Neben Games4Linux mache ich gerne Videos auf YouTube und interessiere mich für verschiedene Themen rund um Server, Netzwerke und IT-Security.

1 KOMMENTAR

  1. Ich gebe Dir sicher Recht was den Spaß an echten Gesprächen und Ermittlungen betrifft. Ich glaube aber, dass das Szenario absichtlich genau so gewählt wurde wie es ist. Ich denke Orwell will uns an unserem eigenen Beispiel zeigen wie wir Menschen denken. Es nutzt unsere eingebaute, zu jeder Zeit unwillkürlich funktionierende Mustererkennung, um komplexe Zusammenhänge in den Onlineaktivitäten der Verdächtigen zu finden. Dabei stellt sich heraus, dass diese Mustererkennung allerdings auch fundamental fehlerbehaftet ist. Wir basteln uns dann die tollsten Verschwörungstheorien zusammen. Rationales Denken kann diese Fehler aufdecken, wenn wir nicht zu faul sind es tun, und manchmal müssen wir dann zugeben, dass wir Muster gesehen haben, wo gar keine existierten.
    Vielleicht denken Spieler, die diese Demonstration verstehen in Zukunft etwas kritischer über Onlineüberwachung als vorher.
    Vielleicht bilde ich mir das aber auch nur ein 😉

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