Die Gone-Home-Entwickler präsentieren ihr neuestes Abenteuer Tacoma, in welchem wir uns an Bord einer Raumstation im Jahre 2088 befinden. Warum das SciFi-Spiel auch für Leute geeignet ist, die Gone Home nicht so begeistert hat, erklärt unser Test.

Wir erinnern uns kurz, August 2013 erschien das von Entwickler Fullbright produzierte Adventure-Spiel Gone Home. Das Spiel ließ uns als Kaitlin von einem Auslandssemester nach Hause ins Elternhaus zurückkehren. Statt von allen Familienmitgliedern bereits sehnlichst erwartet zu werden, stehen wir aber in einem leeren Haus. Wo sind denn alle? – Das galt es herauszufinden.

Dabei wird jedoch auf Zwischensequenzen verzichtet. Viel mehr müssen wir die Handlung wie ein großes Puzzle aus vielen Informationen wie etwa Briefe zusammensetzen. Statt wie in einem Walking-Simulator, beispielsweise Dear Esther, ohne große Interaktivität eine Spielumgebung zu erkunden, dürfen wir hier in fremden Besitztümern herum wühlen. Die Presse bewertete das Spiel zwar überwiegend positiv, dennoch fanden sich einige Spieler, die diese Meinung überhaupt nicht teilten. Ich möchte ehrlich sein, auch mich hat Gone Home nicht so richtig überzeugt. Zwar gefällt mir die Idee sich die Geschichte zusammen zu puzzeln, dennoch fehlte mir etwas um mich am Ball zu halten. Umso mehr war ich gespannt auf das neueste Abenteuer der Entwickler: Tacoma.

Willkommen in der Zukunft

Wo wir in Gone Home noch im Jahre 1995 als Kaitlin spielten, dürfen wir dieses Mal in die Rolle von Amy Ferrier, einer AI-Kommunikationsspezialistin, schlüpfen. Der Berufstitel lässt es erahnen, wir befinden uns in der Zukunft, genauer gesagt im Jahre 2088. Weil die Venturis Corporation ihre KI namens Odin wiederhaben möchte, machen wir uns auf die Reise zur verlassenen Raumstation Tacoma, um diese zu bergen. Zwar lautet unser eigentlicher Auftrag lediglich die KI mitzunehmen, dank dem digitalen Überwachungssystem auf Tacoma erhalten wir aber einen tiefen Einblick in das Leben der letzten sechs Besatzungsmitglieder der Raumstation. Schlüsselmomente der Personen wurden so als abspielbare 3D-Aufzeichnung abgespeichert, welche wir wie eine Videoaufnahme ansehen dürfen.

In den Aufnahmen sehen wir die 6 Besatzungsmitglieder als AR-Figuren, wie sie untereinander kommunizieren und miteinander leben. Die Charaktere haben dabei unterschiedliche Persönlichkeiten, Geschichten und Beziehungen untereinander. Der Eine ist nur des Geldes wegen an Bord, den Anderen ist es eigentlich egal, solang sie zusammen unterwegs sind. Vor allem durch die hervorragenden Dialoge und dem sehr gutem Voice-Acting treten die Personen sehr glaubhaft auf.

Perspektivenwechsel dank Rückspulfunktion

Da die Mitglieder selbstverständlich nicht immer mit der vollen Besatzung unterwegs sind, bedarf es häufig einen Perspektivenwechsel, was dank der Rückspulfunktion einfach möglich ist. Woher kommt Person A, über was hat sie mit Person B geredet und was macht eigentlich Person C gerade? Fragen, die wir nur mit mehrfachen Betrachten der Aufzeichnungen beantworten können. Abschnitt für Abschnitt dürfen wir so verschiedenen Gesprächen lauschen oder mit Objekten interagieren, Dokumente lesen oder alles herum liegende in die Hand nehmen.

Wie in Gone Home versuchen wir auch hier die Geschichte zusammen zu puzzeln, was aber Dank des modernen Settings und den AR-Aufnahmen deutlich spannender und auflockernder ist. Es muss also nicht nur in Briefen und Co. gelesen werden, sondern man darf auch mal Gesprächen zuhören.

Auch gefällt uns, dass für das Zukunftsszenario recht gut recherchiert wurde. So ist das Prinzip der künstlichen Schwerkraft durch Rotation physikalisch möglich, wenn auch aktuell noch nicht umsetzbar. Für KIs wie Odin, welche übrigens einen wesentlichen Stellenwert im Spiel besitzen, werden ebenso interessante Ideen für die Zusammenarbeit mit Menschen aufgebracht. So dürfen im Spielszenario beispielsweise KIs nicht unter einander kommunizieren, um so beispielsweise mögliche Gefahren für Menschen verhindern zu wollen – toll, dass sich hier Gedanken darüber gemacht wurde.

Fabelhafter Artstyle

Ein Wort noch zum Artstyle, in welchem Tacoma präsentiert wird: Das Zukunftsszenario sieht einfach verdammt gut aus. Es wird viel mit Licht und tollen grafischen Anzeigen gearbeitet. Auch toll ist, dass sehr häufig in den verschiedenen Räumen die Ja­lou­sien auf- und zugezogen werden können. Damit bekommt man einen tollen Blick auf die sich bewegenden Teile der Raumstation gewährt. Gerade der Anfang des Spieles begeisterte uns ebenso mit tollen Animationen und der stimmungsvollen Umgebung.

Keine Linuxversion auf Steam?

Wer sich das Spiel kaufen möchte, der wird evtl. bemerken, dass unter Steam nicht die Rede einer Linuxversion ist. Das Spiel ist jedoch selbstverständlich auch für Linux verfügbar, es handelt sich lediglich um einen Anzeigefehler.

Aktuelle Probleme der Linuxversion

Die Linuxversion lief auf unserem Testsystem selbst mit einer mobilen Grafikkarte auch auf hohen Einstellungen fast problemlos, leider hatten wir bei unserem Test einige Probleme mit den Untertiteln. Die Untertitel wurden so sehr häufig verspätet oder einfach gar nicht bei den Gesprächen angezeigt. Dies erschwert natürlich das Folgen der Handlung, vor allem wenn es keine deutsche Sprachausgabe gibt. Untertitel sind also sehr zu empfehlen. Wir haben den Bug bereits vor Release unserem Ansprechpartner mitgeteilt und halten euch dies bezüglich auf dem Laufenden, aktuell arbeiten die Entwickler an einem Patch. Auch zickt die Steuerung über einen Xbox-Controller noch ein wenig. Das Entwicklerteam arbeitet auch hier an einer Lösung und hat auch schon diverse Lösungvorschläge im Forum des Spieles auf Steam bereitgestellt.

Fazit

Gibt es also eine Empfehlung für Tacoma? Auf jeden Fall! Allein aufgrund der genialen Zukunftsdarstellung und der tollen Grafik lässt sich Tacoma schon empfehlen. Zur Handlung können wir aus Spoilergründen leider nur sehr wenig sagen, dennoch hat uns auch diese überrascht und gut unterhalten. Mit einer Spielzeit von 2-5 Stunden ist das Abenteuer allerdings stellenweise ein wenig zu oberflächlich angesetzt. Gerne hätten wir noch ein wenig mehr Informationen zu den Personen erhalten, um das Puzzle komplett zu vervollständigen. Man merkt aber, dass die Entwickler aus ihrem vorherigen Erfolg Gone Home gelernt und an den richtigen Stellen optimiert haben. So soll das sein.

Tacoma ist mit 19,99€ für die recht kurze Spieldauer natürlich nicht ganz günstig, dennoch sollte man wenn möglich dem Spiel eine Chance geben, und wenn nur für den vergünstigen Preis in einem Sale. Wer sich noch unsicher ist, der kann sich übrigens einen 10-minütigen Spieleausschnitt ansehen.

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Konstantin
Neben Games4Linux mache ich gerne Videos auf YouTube und interessiere mich für verschiedene Themen rund um Server, Netzwerke und IT-Security.

3 KOMMENTARE

  1. Nachdem die Linux-Systemanforderungen durch die aktuell fehlende Anzeige in Steam nicht verfügbar sind, möchte ich sie schnell hier nachreichen. Zum Spielen benötigt ihr:

    OS: 64-bit OS
    Processor: 1.9ghz Intel i5-equivalent processor or higher
    Memory: 4 GB RAM
    Graphics: Onboard or dedicated graphics accelerator with 1GB+ of video RAM
    Storage: 11 GB available space

  2. Danke fuer den Test Konstantin. Auf Gamestar hatte ich die Tage so nebenbei von dem Spiel erfahren, mich interessierte es erstmal kaum. Aber dank deinem Test und deiner Empfehlung werde ich es mir in einem Sale zulegen 🙂

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