Statt tropische Inseln mit El Presidente schickt uns Tropico-Macher Haemimont Games dieses Mal auf einen ganz anderen Planeten: den Mars. Warum Surviving Mars ein gelungenes Aufbauspiel ist und wo noch nachgebessert werden muss, erklären wir im Artikel.

Inspiriert von Syd Meads oder die Welten Isaac Asimovs – so die Entwickler – und höchstwahrscheinlich auch von aktuelle Entwicklungen wie Elon Musk’s Marskolonisationplänen, hat sich Haemimont Games für dieses Jahr neben Palmen und Sandstränden in Tropico auch für Sandstürme und sauerstoffarmer Atmosphäre in Surviving Mars entschieden.

Startschwierigkeiten

Bevor wir uns jedoch ins Abenteuer stürzen können, benötigt es etwas an Vorbereitung. Unter anderem brauchen wir einen Sponsor, der uns den Spaß natürlich finanziert, sowie einige grundlegenden Materialien um Versorgungsgebäude wie beispielsweise Sonnenkollektoren zur Stromgewinnung bauen zu können. Je nach Sponsor gibt es so unterschiedliche Boni und mal mehr oder weniger Geld.

Ein wenig schade ist es, dass uns der Entwickler hier ein wenig im Regen stehen lässt. Bereits die 1. Rakete soll von uns beladen werden, planlos klicken wir auf „weiter“ und hoffen, dass alles schon richtig eingestellt worden ist. Es ist zwar toll, die Möglichkeit zu haben, alles anzupassen – vor allem für spätere Sitzungen, dennoch sind wir als Mars-Rookie anfangs ein wenig überfordert. Auch beim Landepunkt auswählen ist man ein wenig verloren, wer sich hier grobe Patzer erlaubt muss gegebenenfalls von vorne anfangen, da benötigte Materialien einfach zu weit entfernt sind.

Allgemein hätte man ein wenig mehr aus dem Anfang machen können. Vor allem die Teaser zum Spiel zeigten toll animierte Szenen, warum also nicht auch Zwischensequenzen im Spiel? Zumindest bei Meilensteinen wie etwa den 1. Start, hätten ein paar toll inszenierte Clips sicher Spaß gemacht.

Kein Tutorial?

Angekommen auf dem von uns ausgewählten 10×10 Flächen großen Marsstück ist Überforderung leider weiterhin gutes Stichwort, Surviving Mars greift uns auch hier nur sparsam unter die Arme und lässt uns erst mal machen. Welches Gebäude brauch ich denn jetzt? Was sind diese 3 Fahrzeuge und wo bleiben eigentlich die neuen Bewohner des roten Planeten? Fragen über Fragen, aber leider nur wenig Antworten. Zwar gibt uns Surviving Mars ein paar Tipps, dennoch helfen diese auch nur bedingt oder verschweigen uns oft wichtige Vorgehensweisen beim Basisbau. Wer beispielsweise nicht weiß, dass es zusätzlich noch fliegende Drohnen zum Gütertransport gibt, der verzweifelt ein wenig beim Basen ausbauen.

Immerhin ist sich Paradox Interactive dem Problem bewusst und hat nun reagiert und verweist im Hauptmenü auf eine gesponserte Video-Tutorialserie.

Aufbau einer Versorgungskette

Hat man sich dann nach etwas Zeit an die verschiedenen Gebäude gewöhnt, fängt es jedoch an Spaß zu machen. Wir kümmern uns um verschiedenen Ressourcen und bauen zunächst durch Drohnen, Rover und Transporter eine Grundinfrastruktur für Baumaterialien wie Metalle oder Beton und lebenswichtige Güter wie Strom, Wasser, Sauerstoff und Nahrung.

Anders als in anderen Aufbauspielen greifen wir jedoch gerade anfangs häufig auf Nachschublieferungen von der Erde zurück. Das fühlt sich zwar ein wenig falsch an, einfach mangelnde Sachen nachbestellen, wenn man noch nicht genug produziert hat, ist jedoch notwendig, um so sich langsam die Versorgungskette auf zu bauen.

Frust mit den Drohnen

Die Drohnenroboter sind für den Aufbau der Versorgungskette besonders wichtig, da diese anfangs als einzige Einheit bauen und Güter transportieren können. Leider spielen die fiesen Roboter aber nach ihren eigenen Regeln. Zwar werden aktuelle Aufgaben meist gut verteilt, jedoch müssen benötigte Baumaterialien und ein zuständiger Drohnen-Kommandant für unsere Bauprojekte in der Nähe vorhanden sein, andernfalls verweigern die Drohnen ihre Arbeit. Das kann ein wenig lästig sein, vor allem wenn benötigte Ressourcen eigentlich vorhanden sind und erschwert so beispielsweise das Expandieren.

Es dauert ein wenig, bis man beim Zusammenspiel aus Drohnen, Transporter und Lager den Dreh raus hat. Gerade hier ist der Spieler unnötigem Frustpotential ausgesetzt, was durch Tutorials oder Optimierung der Roboter, wie beispielsweise durch Patches, verbessert werden könnte.

Neben den Drohnen ist außerdem das Bauen und Verwalten manchmal ein wenig fummelig, Stromkabel müssen beispielsweise ganz nah am Gebäude platziert werden oder Menschen können zwischen Kuppeln nur sehr umständlich umgezogen werden, auch hier hoffen wir auf Nachbesserungen.

Leben auf dem Mars

Bis zur ersten Kuppel vergehen dann schon einige Minuten, umso mehr freuen wir uns aber dann, wenn endlich die erste Zivilisation eintrifft. Wer meint viel mehr würde nun nicht mehr passieren, der irrt sich, denn durch menschlichen Arbeiter können nun weitere Ressourcen produziert werden und müssen so langfristig nicht mehr von der Erde angefordert werden – perfekt um den Drang zur Selbstversorgung etwas stillen zu können. Vor allem aber können nun durch die Menschen deutlich schneller Forschungspunkte gewonnen werden, welche weitere Gebäude freischalten oder einige Verbesserungen wie etwa schnellere Drohnen mitbringen.

Neue Aufgaben

Durch die Menschen steigt außerdem unsere Aufgabenvielfalt, wo anfangs noch Ressourcenmanagement und Wartung der Gebäude uns voll ausgelastet hat, ist es jetzt auch wichtig sich um das Wohl der Bevölkerung zu kümmern. Diese wollen auch gerne im Diner essen gehen oder sehnen sich ebenfalls nach Sicherheit unter ihrer Kuppel. Zwar ist die Bevölkerung in Surviving Mars nicht so anspruchsvoll wie etwa in einem Anno, dennoch erweitert das Spielelement der Bedürfnisse die Komplexität, vor allem wenn passende Mitarbeiter für verschiedenen Arbeitsplätze gesucht werden – ein Geologe ist nun mal besser für den Bergbau geeignet als ein Gärtner, oder wenn spezielle Einrichtungen für Kinder wie eine Schule benötigt werden.

Das Survival in Surviving Mars

Aufbauen und erweitern von Basen beschäftigt uns zwar gut, dennoch „könnten“ wir uns auf Dauer zurück lehnen und uns zufrieden geben. Gut, dass die Entwickler den Überlebenspart noch hinzugefügt haben. Je nach Schwierigkeit, werden wir nämlich von beispielsweise gefährlichen Sandstürmen oder Asteroideneinschlägen heimgesucht, was sich natürlich alles andere als positiv auf unsere Basis auswirkt. So müssen mir immer ein wenig aufpassen, dass beispielsweise Kuppeln nicht von überlebensnotwendigen Gütern abgeschnitten werden können.

Zwar sind gerade bei einfacher Schwierigkeit diese zufälligen Ereignisse keine ständige Bedrohung für uns, dennoch sind wir genug mit der Wartung der Bauwerken beschäftigt. So verschmutzt der Betonabbau umliegende Gebäude mit noch mehr Staub, wodurch häufiger Gebäude gereinigt werden müssen – was wir übrigens sogar sehen können.

Wem das trotzdem zu einfach ist, der kann einfach die Schwierigkeit erhöhen und je nach Einstellungen ein bockschweres Abenteuer mit einer Vielzahl an Ressourcenknappheiten und Mars-Naturkatastrophen erleben – für Langzeitmotivation ist also gesorgt.

Außerdem soll es noch mysteriöse Erscheinungen auf der Mars geben. So kann beispielsweise durch gläserne Himmelskörper Energie vom Stromnetz entzogen werden. In unseren 8-stündigen Testphase sind uns leider noch keine dieser Erscheinungen untergekommen, wodurch wir dazu nicht Stellung nehmen können.

Erweiterbarer Umfang dank Modding-Support und DLCs

Zwar ist der Umfang von Surviving Mars mit vielen Bauwerken nicht zu klein, zu viel gibt es aber natürlich nicht. Dank Modding, was das Spiel seit Release unterstützt, befinden bereits jetzt eine Menge an von der Community erstellten Objekte im Steam Workshop, welche heruntergeladen und im Spiel verwendet werden können. Das gefällt uns. Bereits Cities Skylines konnte unserer Meinung durch den Modding-Support profitieren, hoffentlich wird es Surviving Mars ähnlich ergehen.

Vermutlich dank Paradox Interactive als Publisher wird es natürlich auch wieder eine Vielzahl von DLCs geben, das mag nicht jedem gefallen, beschert dem Spiel aber weitere Inhalte und sorgt dafür, dass weiter aktiv an Surviving Mars gearbeitet wird, was allen Spielern zugute kommt.

Nette Präsentation

Zwar bin ich immer noch ein wenig enttäuscht, dass Haemimont Games mir keine Kampagne oder zumindest Zwischensequenzen geliefert hat, dennoch muss ich zugeben, dass mir die Präsentation von Surviving Mars sehr gefallen hat. Neben dem tollen retro-futuristischen Design der Bauwerke, kleinen Details wie Bewohner, die man schlafend in ihren Appartements sehen kann, hat es mir vor allem der Soundtrack des Spieles angetan. Wer neben epischer Musik ein wenig Abwechslung möchte, der kann mit 2 Klicks einfach den Radiosender wechseln und sich so beispielsweise entspannte Musik wie „Momma“ von Rainbow Train anhören – genial. Die Auswahl an Radiosendern ist zwar recht überschaubar, dennoch hat mir fast durchgehend die Musik gefallen, also spielt mit Sound.

Controller-Support und Technik

Fast vergessen haben wir zu erwähnen, dass sich Surviving Mars auch mit Controller spielen lässt. In unserem Test funktioniert dies mit dem Xbox 360 Controller ganz gut, dennoch sollte man, wenn möglich, natürlich mit Maus und Tastatur spielen. Wer sich aber einen gemütlichen Couchabend machen möchte, der könnte hiervon profitieren.

Beim Spielen mit der Tastatur hatten wir übrigens ein Problem mit der Sprache. Es scheint so, als wären die Tasten auf eine englische Tastaturbelegung festgelegt. Zwar benötigen wir beim Spielen relativ selten die Tastatur, gerade beim Anpassen der Spielzeit ist „+“ und „-“ aber ganz praktisch. Durch erneutem Festlegen der Tasten lies sich das Problem lösen, oder man nutzt einfach das Numpad, dennoch ein wenig ärgerlich.

Zuletzt hatten wir ebenfalls ein Problem mit der Anzeige von Texten, ein Bug der sehr ärgerlich sein kann, da so häufig Texte und Ressourcenangaben falsch oder verzerrt dargestellt werden. In der aktuellen Version wurde der Fehler jedoch behoben.

Ansonsten lief die Linuxversion perfekt „smooth“ auf unserem Testsystem mit mobiler Grafikkarte auf hohen Einstellungen, so soll das sein.

Fazit

Trotz dem teilweise etwas fummeligen Gameplay mit Drohnen und Kuppelumzug, der Enttäuschung mit der fehlenden Handlung und dem fehlenden Tutorial hat mir Surviving Mars trotzdem verdammt viel Spaß gemacht.

Das Spiel macht genau das, was jedes gute Aufbauspiel macht: Es gibt mir eine Aufgabe, ich bin durchgehend beschäftigt und kaum hab ich ein Problem gelöst, so muss ich mich ums Nächste kümmern, so soll das sein. Ich verwalte Ressourcen, kümmere mich um den Nachschub und schaue an welcher Ecke ich etwas optimieren könnte – achja und die Menschen mit ihren Bedürfnissen gibt es ja auch noch.

Vor allem die Musik sowie der Look von Surviving Mars hat es mir angetan. Das Gameplay ist komplex genug, bietet Tiefe und unterhält so einige Stunden. Klar hätte ich gerne noch mehr Umfang gehabt, dennoch ist dieser absolut ausreichend und fühlt sich nicht unfair wie etwa im aktuellen Micro Machines an. Langzeitmotivation ist auch darüber hinaus, dank künftige DLCs, gegeben, wer kein Geld ausgeben möchte kann sich von der Community erstellte Mods aus dem Steam Workshop herunterladen.

Aufbaufans die neuen Stoff brauchen sollten sich das Spiel unbedingt ein mal ansehen, und wenn es nur ein einmaliger Ausflug auf dem roten Planeten ist.

Ein Wort an die Steam-Reviews: Ich kann die Kritik von Spielern aufgrund des fehlenden Tutorials sehr gut nachvollziehen, dennoch sollte man dem Spiel eine Chance geben. Wer sich ein wenig rein hängt, oder sich die Videotutorials ansieht, den erwartet ein süchtig machendes Marsabenteuer, was einiges im Vergleich zu klassischen Aufbauspielen wie Sim City oder Cities Skylines anders macht, aber dennoch frischen Wind ins Genre mit neuen Ideen bringt.

Disclaimer: Das Spiel Surviving Mars wurde uns freundlicherweise kostenlos von Paradox Interactive bzw. Koch Media zur Verfügung gestellt.

Surviving Mars ist für PC (Windows, Mac OS, Linux), Xbox One und PS4 erhältlich. PC Spieler können sich das Aufbauspiel entweder auf Steam oder DRM-frei auf GOG für 40€ kaufen. Cities-Skylines-Besitzer bekommen auf Steam bis zum 31. März 10% Rabatt beim Kauf.

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