Das kürzlich erschienene Rollenspiel Divinity: Originial Sin für Linux hat auch mich in seinen Bann gezogen. Das Offline Rollenspiel mit deutlichem Charakter eines Baldurs Gate hat ein Metascore von 94/100 und einen Usercore von 8/10. Aber hast du gewusst, dass gerade einmal 1% das Spiel tatsächlich zu Ende spielen? Oder, dass lediglich 8% bis in die Hälfte des Spiels durchgehalten haben?

Zahlen, die weh tun

Mit meinen 31 Stunden Spielzeit über drei Wochen verteilt bin ich knapp in der Hälfte des Spiels angelangt – gemessen daran, dass Spielemagazine die Durchspielzeit auf 50+ Stunden schätzen. Während des Spielens erhält man alle paar Stunden ein neues Achievement, je nach erreichen des nächsten Story-Highlights. Zu meinem Besitz zählen die zwei neusten Errungenschaften Into the Void «Du hast Leandra gesprochen» und Forged in fire «Und Wasser. Und Luft. Und Erde.» Diese beiden Achievements erhält man ungefähr in der Mitte der Hauptquest zügig nacheinander. Die Statistik sagt, nur 8% der Käufer waren jemals an diesem Punkt im Spiel.

Divinity_Original_Sin_Achievements_modified

Ist Divinity: Original Sin ein Einzelfall? Mit Blick auf andere aktuelle Linux Spiele leider nein. Ein weiteres Beispiel ist das grandiose Städte Aufbauspiel Cities: Skylines. Eine Städtebausimulation mit durchgängig sehr guten Bewertungen im Bereich von 9/10 Punkten, das eigentlich kein Ende besitzt. Dennoch kann die eigene Stadt in einer Art Endgame münden, wenn beispielsweise die Bevölkerungspopulation 100’000 Menschen übersteigt oder ein cooler Weltraumlift gebaut werden kann. Na, wie viele Käufer haben dieses Ziel erreicht? Unter 4 Prozent.

Die erste(n) Spielstunde(n)

Auch Entwickler und besonders deren geldgetriebenen Publisher wird dieser Trend nicht entgangen sein. Infolge dessen werden neue Spiele vermehrt auf bombastische erste Spielstunden getrimmt. Was danach kommt, ist fast schon irrelevant; die wenigen Spieler, die über den ersten Drittel hinaus aushalten, die können aus Sicht eines Publishers vernachlässigt werden. Im Fachjargon nennt sich das Augenmerk auf die ersten Spielstunden das sogn. «Frontloading».

War noch vor einigen Jahren der Einzug der Casual Games verpöhnt, so sind heute mehr als Zweidrittel aller PC Spieler in Tat und Wahrheit Gelegenheitsspieler. Wobei, vielleicht sollten wir dafür ein neues Wort erfinden, denn wir «hoppen» von einem Spiel zum Nächsten.

Hand aufs Herz: Wann hast du deinen letzten Vollpreistitel komplett durchgespielt? Wie viele Spiele hast du in den letzten zwei Jahren überhaupt bis zum Abspann gespielt?

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elysium
Elysium spielt seit 2012 unter Linux, aktuell mit Linux Mint 18. Beruflich bin ich im Bereich Middleware auf Linux-Server unterwegs. Für diverse Adobe Applikationen bleibt mein Dualboot Linux/Windows bestehen. Und in seltenen Fällen für DirectX only Games..

3 KOMMENTARE

  1. Der Vergleich mit Cities Skyline, ist leider wenig aussagekräftig und hinkt ein wenig . Die meisten spielen das Spiel mit Mods und da sind die Achievements deaktiviert.

  2. Ein Grund warum ich seit zwei Jahren neue Spiele bei Erscheinen kaufe und den Steam Sale links liegen lasse, es gibt noch genug zu tun.

  3. Aus meiner Sicht gilt es noch einen weiteren Aspekt zu betrachten. Der Grund für das Spielen. Ist es eher nicht so, dass meist nur noch gespielt wird um zu Entspannen und Abzuschalten? Ein Spiel ist keine Herausforderung mehr, die es zu meistern gilt. Im Alltag gibt es genug Herausforderungen. Gespielt wird zur Entspannung.

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