Wer denkt, Linux sei «sicher» und dort gäbe es kein Filesharing, der liegt falsch. Seit Steam auf Linux lanciert wurde steigt auch die Anzahl gecrackter Linux-Spiele kontinuierlich an. Sind das viele Spiele?

Ich werde darauf eingehen. Ich finde, wir Befürworter von Open Source sollten nicht den Kopf in den Sand stecken und die Dinge beim Namen nennern.

Es kann durchaus schon helfen zu verstehen, wieso illegales Filesharing so ein lukratives Geschäft ist. Du bezahlst für deine heruntergeladene Raubkopie nichts, aber der Cracker und alle Sharer danach bekommen für jeden Download abseits von Torrent & Co. viel Geld. Diesen Geldfluss werden wir uns anschauen. Es ist nicht verwunderlich sind die Raubkopierer auch dort, wo immer mehr Spieler sind: Bei Linux.

Tauschbörsen nehmen Linux-Spiele ins Portfolio

Auf das Thema wurde ich aufmerksam, als ich in der Tauschbörse boerse.to nach dem Stichwort «Linux» gesucht habe. Ich dachte mir, mal schauen was zum Thema Linux so getauscht wird. Als ich in der Liste die ersten Linux-Spiele auftauchen sah musste ich stutzen. Bei genauerem Hinschauen bemerkte ich zudem die eigens für diesen Zweck erstellte Kategorie «Linux-Spiele». Es hat wohl genügend Angebot um ein ganzes Forum zu füllen. Yup, dachte ich mir, das Internet schläft nicht.

Im Angebot befinden sich kopiergeschützte Steam-Spiele aber auch Games von GOG.com die bekanntlich immer DRM-Frei sind. Unter Linux knackt sich jeder Kopierschutz ganz ähnlich wie unter Windows. Aktuelle Beispiele in den Tauschbörsen wären da Payday 2, XCOM 2, Bear Simulator oder Deponia Doomsday. Anders als unter Windows wird für Linux oftmals die englische Sprachausgabe mitgeliefert, nur selten ist die Deutsche Sprache mit dabei. Die Gesamtanzahl des Angebots ist im Vergleich zu Windows extrem niedrig, alleine in den letzten drei Monaten sind nur etwa 20 Spiele dazu gekommen, tatsächlich erschienen aber hunderte neue Linux-Spiele.

Aufgeklärt: Der Kreislauf des Geldes

Weshalb werden Computerspiele überhaupt gecrackt? Weil es eine riesige Geldmaschinerie ist!
Wie wird damit Geld verdient? Mit Hilfe der so genannten «One-Click Hoster».

Alle verdienen mit
Endlos die Geldgier, alle verdienen mit

Das sind Download-Plattformen wie uploaded.to oder share-online.biz. Diese Firmen bieten für jeden Download über ihr eigenes Portal Geld an. Das können Sie, weil der Downloader ein potentieller Kunde darstellt und sich vermutlich schon bald einen Premium Account kaufen wird. Der Premium Account kostet zwischen 5-15 Euro pro Monat und entfernt alle Download Limits. Als Dank für die Kunden-Vermittlung erhält der Uploader für jeden Download einige Cents, es ist dabei sogar egal geworden ob der Downloader jemals einen Premium Account kaufen wird. Die Provision ist sicher, jeder Download ist pures Geld!

Wir sprechen hier von einem Betrag weniger als ein Cent pro Klick. Aber: In Relation zur Anzahl Downloads sind das ganz schnell mehrere hundert Euro mit nur wenigen Spielen. Und kauft sich der Downloader einen Premium-Account dazu, gibt’s eine Prämie oben drauf.

Damit das Geld in die eigene Tasche wandert, erstellen die Uploader wiederum eine Raubkopie der Raubkopie und verbreiten ihre eigenen Download-Links in einschlägigen Internet-Foren. Dieser Zwang an großflächiger Verbreitung ist der Grund, weshalb das illegale File-Sharing so stark floriert.

Ich vermute, der eigentliche Cracker verdient am meisten Geld weil er der Erste ist, der den Download anbieten kann. Beweisen kann ich es nicht, in dieser Szene kenne ich mich nicht aus. Man erzählt sich auch, diese Cracker wollen sich untereinander beim Spieleknacken toppen, es komme denen auch auf ihr «Image» an. Ach was! Ich behaupte das ist Firlefranz, der erste Crack heimst die meiste Kohle ein und deshalb sind diese Gruppen so scharf darauf. Am Ende regiert das Geld.

Und so schließt sich der Kreis: Der Downloader will sein Spiel möglichst schnell herunterladen und kauft sich dazu einen Premium Account, der Uploader erhält seinen Anteil an der Vermittlung des Neukunden und die Download-Plattform à la ul.to verdient durch Premium-Angebote ihr täglich Brot – und darüber hinaus.

Geld regiert alle Sharehoster

Weil Legal inzwischen Konkurs: RapidShare.
Kaum Legal schon Konkurs: RapidShare.

Dieser Kreis an Geldfluss wollte man schon bei Rapidshare, dem ehemals beliebtesteten Download-Portal, aufbrechen. Rapidshare ist ein gutes Beispiel wie eine Firma ohne Raubkopierer nicht überlebt: Als ehemals beliebtester Tauschserver versuchte die Firma nach diversen Gerichtsklagen sein Image rein zu waschen und bot den Uploadern kein Geld mehr an. Das Resultat: Die Firma mit Sitz in der Schweiz ging Pleite.

Tja, so läuft das eben. Am Ende wollen alle mitverdienen, sonst droht der Kollaps.

Ist File-Sharing wirklich so schlimm? Meine Meinung

Ich persönlich bin der Meinung, illegales File-Sharing kann unter Umständen auch positiv sein. Das sage ich jetzt nicht nur weil in der Schweiz die Raubkopie für private Zwecke legal ist, viel mehr finde ich, dass die Mund-zu-Mund Propaganda nicht unterschätzt werden darf: Wenn ich etwas herunter lade, werde ich mit anderen Menschen über das Produkt sprechen. Das wiederum erreicht neue, vorher unerreichte Käufer.

Zudem kann ich aus eigener Erfahrung sagen: Je älter man wird, je mehr schätzt man die Entwicklung eines Spiels. Wenn das Geld im Haushalt weniger eine tragende Rolle spielt werden die paar Euros  an den Hersteller gerne gezahlt. Aber genau das ist für viele junge Leute ein Problem, dort wird jeder Euro umgedreht und das führt zu Filesharing. Zumal die Spiele sowieso kaum zu Ende gespielt werden.

Aus meiner Beobachtung heraus werden besonders diese Spiele raubkopiert, die a) für den Inhalt zu teuer sind oder b) der Spieler sich unsicher ist, ob er es kaufen soll. Zu Ersterem gibt es ein ganz aktuelles Beispiel: The Witness, das Spiel wurde auf Windows überdurchschnittlich viel raubkopiert (und auf Linux erst gar nicht erschienen). Die Gründe liegen dabei auf der Hand: Ein Spiel das ausschließen aus Tafel-Rätseln besteht aber einen Kaufpreis von 40 Euro erhebt will instinktiv erst einmal angetestet werden. Hier gehen die Alarmglocken an und der Spieler denkt sich, «das ist unter Umständen den hohen Preis nicht wert».

Okay, meine Ansicht klingt vielleicht ein bisschen hölzern. Aber ich hoffe sehr, ihr versteht den Kern meiner Aussage: Illegales File-Sharing muss nicht zwingend schlimm sein.

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Elysium spielt seit 2012 unter Linux, aktuell mit Linux Mint 18. Beruflich bin ich im Bereich Middleware auf Linux-Server unterwegs. Für diverse Adobe Applikationen bleibt mein Dualboot Linux/Windows bestehen. Und in seltenen Fällen für DirectX only Games..

1 KOMMENTAR

  1. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen:

    Erst laden, wenn gut kaufen. Sonst liegen lassen. Besonders in Zeiten der nachgereichten Microtransactions etc ist es sowieso eine gute Idee zu warten und niemals zu preordern bzw in denn ersten Wochen zu kaufen.
    In Zeiten wo es keine Demos gibt und viele titel ihr Geld nicht wert sind.(meist AAA)
    Würde ich eine Kopie als erweiterte Demo ansehen die mir erlaubt zu sehen ob nur die Demo polished ist etc.
    Nur selten Kaufe ich spiele ohne so zu testen.

    Beispiele aus der letzten Zeit die es so geschafft haben mich gerne Zahlen zu lassen:
    Factorio(2 kopien)
    Endless Dungeon(werde ich nach meinem linux switch nächste woche kaufen wenn es raus ist)
    Super Hot
    etc

    Grüße
    Saladien

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