Knapp ein halbes Jahr nach Erscheinen aller Episoden von LiS: Before the Storm dürfen nun auch Linux- und macOS-Spieler das Prequel von Life is Strange erleben. Ob das Abenteuer trotz neuem Entwicklerteam begeistern kann, gehen wir im Artikel nach.

Hinweis: Es handelt sich bei LiS: Before the Storm zwar um ein Prequel, nachdem der Titel jedoch nach Life is Strange erschienen ist, beziehe ich mich häufig auf das Original. Gerade Leser, die noch keinen Titel gespielt haben, sollten womöglich lieber unseren anderen Test zuerst lesen. Spoiler werden wie immer so gut wie möglich versucht zu vermeiden.

Wir müssen zugeben, wir waren anfangs sehr skeptisch. Dontnod, das Entwicklerteam von Life is Strange kündigten nach ihrem Riesenerfolg ein Prequel zum Erfolgstitel an, dann aber mit anderem Entwicklern?! Kann das überhaupt gut gehen? Und wer zum Teufel sind diese Deck Nine Games?

Nach einer kurzen Recherche wissen wir genau so viel davor, die machen wohl irgendwelche PlayStation Spiele, alle eher so semi-erfolgreich – ich muss aber auch zugeben, PlayStation-Spiele ist nicht gerade mein Metier. Zusätzlich muss ich anmerken, dass gerade ich damals heftig mit elysium über seinen Test zu Life is Strange diskutiert habe. Mir selbst liegt die Serie sehr am Herzen, umso höher waren meine Ansprüche an den neuen Teil.

Wie das „Dontnod Original“?

Fangen wir mit der offensichtlichen Frage an. Ist Before the Storm trotz Entwicklerwechsel ähnlich gut wie „das Original“? Bei der grafischen Präsentation merkt man schnell, das sieht alles so aus, wie wir es bereits kennen. Das meine ich im Guten und im Schlechten. Der nette Grafikstil ist geblieben, hat sich damit aber auch nicht weiterentwickelt. Sprich wir haben weiterhin etwas eingestaubte Texturen und eine eher mäßige Mimik der Charaktere. Das trübt ein wenig die Stimmung, vor allem wenn gerade Spannung aufgebaut werden soll oder das Spiel versucht unsere Emotionen zu wecken.

Wo wir gerade bei den Charakteren sind: leider gab es wohl Probleme mit der Synchronsprecherin von Chloe. Wer also mit der Episode beginnt, der könnte anfangs ein wenig verwundert sein, dass sich die Stimme ein wenig verändert hat. Sehr störend ist dies dennoch nicht, man gewöhnt sich recht schnell daran.

Ansonsten ist alles wie beim Alten. LiS: Before the Storm überzeugt ein weiteres Mal mit einem hervorragenden Soundtrack – auch wenn mir persönlich die Musik von LiS ein wenig besser gefallen hat. Auch beim Gameplay gibt es keine bösen Überraschungen. Wir dürfen weiterhin alles Mögliche in der Umgebung ansehen und anfassen und mit vielen Personen quatschen. Unsere Entscheidungen können dabei den Spielverlauf verändern. Wichtige Entscheidungen signalisiert uns dabei das Spiel. Ab und zu gibt es auch mal kleinere Rätsel, in denen wir Gegenstände finden müssen. Auf eine nervige Schleichpassage wurde zur unserer Freude dieses Mal aber verzichtet.

Chloe im Rampenlicht

Einen riesigen Unterschied gibt es aber: wir spielen dieses Mal Chloe anstatt von Max. Das geht vor allem damit einher, dass wir nicht mehr cool die Zeit zurückspulen können. Dafür kann Chloe mit der Fähigkeit „Widerworte“ aber geschickt Leute provozieren und sich in Diskussionen durchsetzen, sofern wir die richtigen Entscheidungen beim Gespräch treffen. Ein netter Kniff, aber für uns hat es sich nicht so angefühlt, als würde es großartig etwas bewirken. Bei einem Auseinandersetzung am Esstisch konnten wir beispielsweise so jemand zwar im Gespräch angreifen, im Endeffekt läuft das Gespräch aber dann dennoch auf das Gleiche hinaus.

Nachdem es sich um ein Prequel mit Chloe handelt lernen wir dieses Mal alles über Chloe, und die Zeit bevor Max wieder zu uns zurück stößt, kennen. Im Fokus liegt dabei die Freundschaft von der zum Zeitpunkt bereits abgesunkenen rebellischen Chloe und deren neue Freundin, die von allen gemochte Einserschülerin Rachel Amber. In den 3 Episoden der Haupthandlung lernen wir diese näher kennen, erfahren von ihrem Geheimnis und helfen ihr dabei. Serientypisch muss die Handlung auch hier erst ein wenig anlaufen, richtig spannend wird es hier erst gegen Ende der 2. Episode – schade, wenn es nur 3 Episoden gibt.

Wer übrigens die Deluxe-Edition des Spiel hat, der kann in einer Episode noch einmal als 13-Jährige Max kurz vor ihrem Umzug nach Seattle spielen. Die Episode ist leider ein wenig kurz und wird dem Aufpreis nicht zwingend gerecht.

Neben Chloe’s Beziehung zu Rachel ist die Handlung vor allem von Chloe’s Verarbeitung mit dem Tod ihres Vaters und den Auseinandersetzungen mit dem neuen Freund ihrer Mutter geprägt – „Serienveteranen“ wissen wen ich meine.

Weniger dramatisch, kein Mystery

Es ist wie immer schwierig einen 2. Teil einer Serie zu bewerten, da uns der erste Auftritt immer am meisten überrascht und als Maß für Fortsetzungen gilt. Dennoch finden wir Before the Storm weniger dramatisch. Wo uns in LiS ab spätestens der 2. Episode eine Kontroverse nach der Anderen um die Ohren geflogen ist, so geht es in Before the Storm gemäßigter voran. Das liegt auch daran, dass die Ereignisse einfach nicht so wirklich schockieren wollen. Richtige Bösewichte fehlen unserer Meinung, ebenso der Mystery-Aspekt, der LiS einen besonderen Touch durch die vielen Twists verliehen hat.

Perfekte Portierung

Die Portierung von Feral Interactive ist absolut perfekt. Wir hatten in unseren insgesamt 10-stündigen Spielsessions keine Abstürze, Fehler oder Sonstiges gefunden. Alles lief rund auf höchsten Einstellungen und das selbst auf einer nicht unterstützten Distro wie Antergos (Arch) mit Laptopgrafikkarte NVIDIA 970M. Unterstützt werden übrigens neben NVIDIA- auch AMD-Grafikkarten, Intel-GPUs hingegen nicht. Die Portierung setzt zwar leider nur auf OpenGL und nicht auf Vulkan, ein Problem ist dies jedoch nicht. Auch mit Mittelklassehardware haben wir stets genug Frames. Zur Steuerung wurden sowohl unser Xbox360- als auch der Steam-Controller problemlos erkannt.

Fazit

Konnte uns Before the Storm also trotz Entwicklerwechsel überzeugen? Ja, auf jeden Fall! Unser Meckern ist wie immer auf absolut hohem Niveau. Before the Storm ist ein schöner Abschluss der Handlung, der uns noch einmal Arcadia Bay besuchen lässt. Wir verstehen was es mit Rachel auf sich hat, erfahren warum Chloe so ist wie sie ist und dürfen selbstverständlich mit ihr als Hauptfigur im Gegensatz zur eher braven schüchternen Max auch mal die Sau rauslassen.

Zwar geht es in Before the Storm ein wenig gemäßigter zu, dennoch passen die Auseinandersetzungen zu den Charakteren und wirken authentisch. Chloe kann halt nun mal nicht die Zeit verändern. Alles andere würde einfach zu sehr aufgesetzt wirken.

Spieler, die Spaß mit dem Vorgänger bzw. Nachfolger hatten, können gefahrlos zugreifen. Wer sparen will, der greift zur Basisversion. Die Bonus-Episode ist nicht so wichtig und auf die kosmetischen Inhalte kann man definitiv verzichten.

Disclaimer: Das Spiel Life is Strange: Before the Storm wurde uns freundlicherweise kostenlos vom Entwickler der Linux und macOS-Portierung Feral Interactive zur Verfügung gestellt.

Life is Strange: Before the Storm ist für PC (Windows, macOS, Linux), PS4 und Xbox One erhältlich. PC-Spieler können das Spiel auf Steam, Humble Store oder im Feral Store selbst erwerben.

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