Letzte Woche haben wir über die Standalone-Umsetzung der Battlefield 1942-Mod Eve of Destruction und die neue Demo zum Spiel berichtet. Der Entwickler Andreas Röttger hat uns darüber hinaus ein paar Fragen beantwortet, die hier nachzulesen sind.

Eve of Destruction Redux ist die Umsetzung zu einem eigenständigen Spiel einer Mod, die ursprünglich für Battlefield 1942 veröffentlicht wurde und selbst heute noch gespielt wird. Das Spiel findet zur Zeit des Vietnam-Kriegs statt und bietet neben 10 verschiedenen Einzelspieler-Modi einen Multiplayer für bis zu 128 Spieler. Zudem gibt es 196 verschiedene Fahrzeuge, 64 Waffen und 35 Maps, auf denen man in die Schlacht ziehen kann.

Mehr zum Spiel und der Demo könnt ihr in unserer Ankündigung nachlesen. Andreas Röttger, seines Zeichens der Entwickler von Eve of Destruction Redux, hat sich unseren Fragen gestellt, die wir euch hier in Form eines kurzen Interviews präsentieren. Dabei geht es nicht nur um das Spiel, selbst, sondern auch um weitere Projekte, die noch kommen sollen.

Games4Linux: Hallo Andreas. Kürzlich hast du ja einen großen Patch für dein Spiel Eve of Destruction Redux bereitgestellt und gleichzeitig auch eine neue Demo veröffentlicht.

Was hat dich dazu bewogen, die Battlefield-Mod in ein eigenständiges Spiel umzusetzen?

Andreas: Es kamen mehrere Umstände zusammen. Zum einen weil die Spielerzahl bei der alten Mod immer mehr abnahm, was verständlich ist nach so vielen Jahren. Zum anderen gab es aber doch einen harten Kern an Spielern, die die Mod so sehr mochten und gar nichts anderes spielen wollten.
Und ich für meinen Teil mochte den kreativen Teil, also das ständige verbessern des Spiels.
Bei der Mod waren die Grenzen des machbaren längst erreicht und so kam die Idee auf, etwas eigenes auf die Beine zu stellen. 2013 wurde dann die Passion zum Beruf.

Games4Linux:Warst du auch schon für die Mod für BF 1942 zuständig?

Andreas: 2002 war ich einer der ersten, die die Mod auf der Platte hatten und hab alles von Anfang an mit erlebt. In den Hoch-Zeiten von EoD noch als Spieler (wenn man denn noch einen freien Slot fand) und 2005 dann im Dev-Team.

Damals hatten die Jungs angefangen an EoD-BF:Vietnam zu arbeiten und ich hab die Leitung für die BF1942 Sparte übernommen. Als BF-2 raus kam wurde sofort auf EoD-2 umgestellt und von da an ging es leider bergab: keine Spieler im neuen EoD.

Lediglich das alte EoD für BF1942 hatte nach wie vor eine feste Community und wurde weiter entwickelt. Ab etwa 2006 bis 2013 von mir und 2 Mapper Kollegen. Der Map-Pool ist in der Zeit von 35 auf 240 Maps angestiegen. Nur 3-4 davon sind Schrott, die anderen machen (für Fans) alle Spaß. Gedaddelt wird übrigens bis heute, auch wenn Electronic Arts längst alle Server abgestellt hat!

Games4Linux: Als Unterbau für das Spiel hast du dich für die Unity-Engine entschieden. Was waren die Gründe dafür?

Eve of Destruction Redux - Thoi Son Island_01Andreas: Bei der Suche nach einer Engine waren mir mehrere Punkte wichtig. Sie sollte nicht zu komplex und erlernbar sein, die geplanten Features im Game sollten umsetzbar sein und sie musste vor allem uneingeschränkt sein, da ich das Spiel unabhängig entwickeln wollte.
Vorhandene Engines der bekannten ‚großen Spiele‘ wie Unreal, CryEngine, Source usw. sind zwar relativ einfach zu bedienen, bringen Entwickler aber in eine gewisse Abhängigkeit.
Insbesondere die Tatsache, dass ich das Game selbst vermarkten wollte war so gut wie mit keiner anderen Engine umsetzbar.
Im Nachhinein betrachtet war das die richtige Entscheidung, denn heute fällt mir nichts ein, was man mit Unity 3D am PC nicht umsetzen könnte.

Games4Linux: Machst du das alles nach wie vor alleine?

Andreas: Ja. Absolut alles. Spiel, Webseite, Shop, Support, Vertrieb, Verwaltung.
Sozusagen aus dem Untergrund 🙂

Games4Linux: Was hat dich dazu bewogen, das Spiel auch für Linux zu veröffentlichen? Hast du einen bestimmten Bezug zu diesem Betriebssystem oder hat das eher andere Gründe?

Andreas: Oh je! Ich bin Linux-mäßig gesehen die berühmte technische Wildsau. In meinen über 30 Jahren PC-Geschichte habe ich schon einige Versuche gestartet mal ein vernünftig laufendes Linux auf die Festplatte zu bekommen. Es ist mir nie wirklich gelungen!
Meist endete es in ‚Bluescreens‘, es mangelte an fehlenden Treibern oder ich brach mir beim eingeben von Konsolenbefehlen die Finger.
Nein die Beweggründe, es auch für Linux zu veröffentlichen sind mehr traditioneller Natur, denn EoD gab es schon seit seinem Bestehen für Windows, Linux & Mac.
Unity 3D bietet die Möglichkeit ohne großen Aufwand für jedes dieser OS einen Build zu machen und logischerweise hab ich das genutzt.

Games4Linux: Wird denn auch weiterhin an dem Spiel gearbeitet?

Eve of Destruction Redux - The Ricepaddies_10Andreas: Ja und zwar volles Programm! Die Verkäufe laufen zwar so miserabel, dass ich eigentlich längst aufgeben müsste, aber ich hoffe immer noch auf Besserung. Problem ist der niedrige Bekanntheitsgrad und ich kann mir leider keine großen Werbekampagnen leisten. Geplant war eigentlich, Geld damit zu verdienen und dann in neues Material/Personal zu investieren (z.B. wesentlich bessere 3D Models und Animationen uvm.).

Leider ist der Anfang aber so schwer wie ich mir das nie hätte träumen lassen.
Beispiel moddb.com: dort hatte das alte EoD nach einem Release nach wenigen Tagen mehrere tausend Downloads.
Beim neuen EoD haben nach 2 Tagen gerade einmal 5 Leute die kostenlose Demo geladen!
Das ist weniger als nichts… und insbesondere bei einer kostenlosen Demo sehr merkwürdig.

Games4Linux: Ist das nicht auch auf die damals viel aktivere Modding-Szene zurückzuführen und die große Beliebheit von solchen Modifikationen?

Andreas: Ja, eindeutig. Die Mods waren Selbstläufer und die Spieler saugten regelrecht nach allem was neu war in der Szene. Beim Release einer Mod brauchte man keine Werbung machen, das erledigte sich von ganz alleine.

Games4Linux: Wie sieht es da auf deiner Seite aus? Wird es weitere Inhalte oder sogar Mod-Support geben?

Andreas: Grundsätzlich wären Mods von anderen Mod-Teams möglich, allerdings nicht so wie beim alten Battlefield. Dies ginge nur in enger Zusammenarbeit. Bisher habe ich nichts dazu auf der Webseite veröffentlicht, weil ich erstmal den Verkauf in Gang bringen möchte.

Games4Linux: Gibt es andere Pläne für das Spiel und was ist dein nächster Schritt?

Andreas: Ja. Ich habe in 4 Tagen eine Paintball Mod erstellt, die seit eingen Wochen zu 90% fertig auf meiner Festplatte wartet. Die soll als nächstes veröffentlicht werden.

Games4Linux: Irgendwelche anderen Spiele in Planung?

Andreas: Eine RC-Modellflugzeug Sim, ein Angelspiel und ein Reit-Spiel (Pferde) für Kids.

Games4Linux: Zurück zu Eve of Destruction. Erkläre uns doch kurz, wie sich die verschiedenen Modi spielen, speziell Basejump, Zombie, Racing und Doorgunner.

Andreas: Basejump ist eine Fun-Map, in der man sich im Singleplayer mit einem Wingsuit von einem Berg stürzt und dann möglichst lange damit fliegen soll. Über Dschungel und durch Täler. Die Map ist nur ein Gimmick und nicht im Multiplayer verfügbar.

Eve of Destruction Redux - Nowhere to run_04Zombie ist ebenfalls ein Singleplayer Gimmick. Es handelt sich um eine Dschungel-Map bei Nacht in der Zombies statt Vietcong die Gegner sind. Da Zombies bekanntlich unbewaffnet sind, erschlägt einen hier die unendlich Masse an Gegnern. In einem Nacht-Setting im Dschungel kann das zu einigen köstlichen Schreck-Momenten führen. Die Zombie Gegner tragen übrigens alle den Namen ‚The Walking Dad‘ 😉

Racing ist ein Autorennen – ebenfalls ausschließlich im Singleplayer – bei dem es nur um Spaß und Verbesserung der eigenen Rundenrekorde geht. Die Gegner sind Bots und es gibt geniale Sprünge. Dieses Fun-Rennen war im alten EoD unter Battlefield 1942 sehr beliebt und hieß dort „Jocoseness“. Bei der neuen Version macht es noch mehr Spaß 😀

Bei Doorgunner muss man als MG-Schütze aus einem UH-1 Huey Helikopter Gegner eliminieren. Ebenfalls nur im Singleplayer. Für diesen Modus hab ich mehrere Anfragen, das auch für Android raus zu bringen.

Games4Linux: Wie ist da der momentane Stand?

Andreas: Sobald Paintball erschienen ist werde ich die App für Android in Angriff nehmen. Mal sehen wie sich die EoD-Miniausgabe auf Handys macht 🙂

Games4Linux: Apropos Helikopter. Wie steuern sich diese in Eve of Destruction Redux? So, wie man es von den alten Battlefield-Spielen gewohnt ist, wozo Übung und Können gehört, oder eher etwas casual-mäßiger wie die neueren Teile?

Eve of Destruction Redux - Khe Sanh_06Andreas: Die Helikopter kann man in der Demo im Multiplayer testen. Flugzeuge und Helis sind in beiden Teams enthalten. Einfach einen Raum erstellen und ausprobieren. Die Steuerung erfolgt mit WASD und Maus. Es ist – wie beim alten EoD für Battlefield- etwas Übungssache und nicht ganz so einfach. Allerdings waren insbesondere die Helis in EoD schon immer sehr realitätsnah, was mir persönlich sehr gut gefallen hat. Deshalb habe ich die Flugeigenschaften so gut wie möglich dem alten EoD nachempfunden.

Meine Tester, die das alte EoD nicht kannten, hatten bis auf einen keine Probleme damit. Nach 5 Minuten konnten sie es perfekt, nur der eine hat es auch nach Stunden nicht geschafft.

Games4Linux: Gibt es Fahrzeuge auch in normalen Spielmodi, oder nur in speziellen wie Tankbattle, Naval Combat und Dogfight?

Andreas: Hängt von der Map ab. Grundsätzlich können in jedem Modus Fahrzeuge sein, aber jede Map ist für jeden Modus individuell eingestellt. Wenn Fahrzeuge keinen Sinn machen, oder etwas erschwert werden soll, kann es sein, dass keine Fahrzeuge zu finden sind. Es gibt also auch reine Infantrie-Maps ohne Fahrzeuge.

Manche Maps haben auch bei den verschiedenen Modi unterschiedliche Fahrzeugausstattung. In „Aces over Vietnam“ gibt es im Singleplayer z.B. die Variante USA vs Vietnam mit entsprechenden Flugzeugen, sowie France vs VietMinh mit entsprechend älteren Flugzeugen. Dort ist auch die Sabre F-86, die (wahrscheinlich) nie in Vietnam eingesetzt wurde (sondern im Korea-Krieg).

Games4Linux: Das klingt so, als hättest du sehr viel Wert auf die Details gelegt.

Eve of Destruction Redux - Nowhere to run_01Andreas: Ja, auf Details wurde extrem viel Wert gelegt. So sind Details vorhanden, die kaum jemandem bekannt sein dürften. Dass die Vietcong zum Beispiel das Sturmgewehr 44 oder die MP 40 im Einsatz hatten dürfte einige Spieler irritieren. Es war aber tatsächlich so. Viele deutsche Waffen aus dem 2. Weltkrieg wurden als Kriegsbeute von den Sowjets nach Vietnam gebracht und dort eingesetzt.
Und so kamen sie natürlich auch ins Spiel. Die erwähnte Sabre F-86 war wahrscheinlich nie in Vietnam im Einsatz und auch die IL-28 auf Vietcong-Seite nicht. Wobei es wegen der IL-28 damals wohl mal eine Anfrage an die vietnamesische Regierung gegeben hat, die aber nie beantwortet wurde. Beide Flugzeuge gefielen mir aber so gut und passten ins Setting, dass ich sie einfach rein genommen habe. Und das Spiel besteht ja nicht zu 100% auf Realismus.

Games4Linux: Wie sieht es mit Dedicated Servern aus?

Andreas: Dedicated Server sind nicht erforderlich. Jeder Spieler kann jederzeit einen Raum erstellen und online gegen andere antreten. Derjenige, der den Raum erstellt ist dann Admin und wenn er ihn verlässt übernimmt automatisch ein anderer Spieler den Adminposten (Zufallsbasis). Momentan geht das Netzwerk über die Photon Cloud und man kann damit weltweit gegen andere Spieler antreten – eigentlich genau wie bei einem Dedicated Server.

Funktioniert eigentlich perfekt, das lästige Sever-aufsetzen entfällt vollständig. Bei einer LAN-Party haben wir mit 8 Personen problemlos online über eine Leitung gedaddelt. Das Problem ist nur, dass zu wenig Spieler das Game überhaupt kennen und deshalb derzeit online so gut wie nichts los ist.

Games4Linux: Gibt es eine Community, die sich zu regelmäßigen Terminen online trifft oder kennst du besonders günstige Zeiten, zu denen man nach offenen Spielen Ausschau halten sollte? Irgendetwas, um es interessierten Spielern etwas einfacher zu machen?

Andreas: Es gibt eine Community, die vom alten EoD kommt. Einmal im Monat (erster Samstag im Monat) findet das „Charly don’t surf“ Event statt, ausgerichtet von einem uralten EoD-Clan: www.hslan.de

Bisher ist das allerdings noch in den Kinderschuhen, beim ersten Event war nur 10 Leute da, beim letzten nur 2 wegen der Urlaubszeit. Wie gesagt, das Spiel ist noch absolut nicht publik genug, um da nennenswerte Spielerzahlen vorweisen zu können.

Games4Linux: Von was hängt die Zukunft des Spiels ab? Wie soll es weitergehen?

Eve of Destruction Redux - Haiphong Harbor_04Andreas: Tja, das ist schwer zu sagen. Mein Wille liegt bei 101%, denn ich liebe dieses Game und kenne außer EoD, Counterstrike 1.6 und Battlefield 1942 kein Spiel, das so lange die Leute begeistert hat (wenn man die Nachfolger nicht berücksichtigt). Deshalb kam ja auch die Idee, es auf eigene Beine/Engine zu stellen, denn EA schaltet nach und nach alles ab, wofür die Leute bezahlt haben.

Aber wenn das Spiel nicht ankommt und sich nicht verkauft, kann ich unmöglich weiter machen, denn von Luft & Liebe kann man nicht wirklich leben :-/
3 Jahre Arbeit, kosten für Models etc., Kosten für die USK und vieles mehr stehen momentan Einnahmen gegenüber, das kommt schon fast einem Konkurs gleich.

Die Zukunft des Spiels hängt also davon ab, wie sich das weiter entwickelt und ob das Game halbwegs ankommt. Ein Riesen-Problem ist: die Leute wollen inzwischen alles umsonst, denn die großen Firmen verschenken mittlerweile ihre älteren AAA-Games. Das macht die Sache für Indie-Game Studios wirklich nicht einfach.

Games4Linux: Vielen Dank für das Interview.

Eve of Destruction Redux ist momentan über die offizielle Seite von Agger Interactive erhältlich. Das Spiel ist auch bei Steam Greenlight gelistet und sucht noch Stimmen, um auch dort zu erscheinen.

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Seit 2004 begeisterter Linux-Anhänger, spiele ich schon viel länger Videospiele. Angefangen hat alles mit einem Amiga 500 und einem Game Boy im Jahr 1990. Ich schlage mich momentan als ausgebildeter Mediengestalter durchs Leben, studiere nebenher Digitale Medien und interessiere mich sehr für IT-Sicherheit. Warum ich noch ein Windows auf meinem Rechner habe, ist mir mittlerweile schon entfallen, da ich es seit Monaten nicht mehr gestartet habe.

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