Der Weltkrieg ist bei den Shootern zurückgekehrt. Neben CoD und Battlefield setzen auch die Macher von Insurgency auf das Szenario. Wir haben Day of Infamy angespielt und können über unser Spielerlebnis berichten.

Lange war es still um das Weltkriegs-Szenario, so spielten die letzten AAA-Titel meist an futuristischen Schauplätzen in den fernen Zukunft begleitet von Roboter und Jetpack. Spätestens mit Battlefield 1 sind jedoch viele Entwickler wieder „back to the roots“ gegangen.

Selbst der Dauerbrenner Call of Duty hat sich kürzlich von seinem geliebten Zukunftsszenario getrennt und flieht nun in die Vergangenheit. Toll für Windows-User, schlecht jedoch für MacOS- und Linux-Nutzer, die weiterhin in die Röhre schauen müssen. Wäre da nicht das Entwickler-Team von Insurgency, New World Interactive, das mit Day of Infamy nun auch Spieler außerhalb der Windows-Plattform mit Stellungskriegen versorgt.

Schwerer wie das MG 42

Zuerst sollte man wissen, das die Entwickler wie bereits bei Insurgency nicht die typischen Spielertypen ansprechen. Statt auf die bekannte „Easy to learn – hard to master“-Devise zu setzen, bietet euch Day of Infamy anfangs vor allem eines: Frust. Die Lernkurve ist sehr steil, so könnten neben Shooter-Anfänger auch gewohnte Spieler ein wenig schockiert von ihren Leistungen sein.

Um mit Day of Infamy Spaß zu haben braucht es unserer Meinung den perfekten Mix aus einem guten Team mit viel Durchhaltevermögen gefolgt von langsamen taktischen Vorangehen. Gerade in den ersten Spielzügen werdet ihr so euch häufig nur wenige Schritte bewegen können bevor ich ihr Bekanntschaft mit dem Boden macht.

Europa im Zweiten Weltkrieg

Day of Infamy schickt uns zu unterschiedliche Kriegsschauplätzen im Süden und Westen Europas zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges. Insgesamt gibt es 10 verschiedenen Karten, auf denen in 10 unterschiedlichen Modi gekämpft werden kann. Dabei haben wir stets die Auswahl zwischen 9 unterschiedlichen Klassen aus verschiedenen Einheiten, welche mit über 70 historische Waffen angepasst werden.

Die Klassenwahl ist für den Spielablauf sehr wichtig, so sind beispielsweise ohne Radioman keine Kommunikation und keine Luftunterstützung möglich. Letzteres geht aber nur, wenn auch der Commander in der Nähe ist. Die Ingame-Kommunikation ist außerdem mit Störgeräuschen verziert, so kann sich stilecht angeschrien werden – Toll!

Auch im Koop spielbar

Die unterschiedlichen Modi spielen sich meist recht ähnlich wie die Vertreter anderer Titel. Der Hauptunterschied ist jedoch, dass nicht nur Spieler gegen andere Spieler (Competitive), sondern auch mit anderen Spielern gegen Bots gespielt werden kann. Gerade für Spieler ohne gewollten Wettstreit-Zwang ist dies eine tolle Möglichkeit auch Spaß zu haben, ohne von Hobby-Profis durchgehend ausgeschaltet zu werden. Unabhängig von der Art des Spielens ist es aber sehr wichtig Objective zu spielen, also Gebiete einzunehmen oder Ziele zu zerstören, da nur so Teamkameraden die Möglichkeit bekommen wieder zu spawnen.

Am Anfang jeder Runde besitzt man 10 Supply Points, die für eine Basis-Ausrüstung reichen, später kann dann auch bessere Ausrüstung mit in den Kampf genommen werden. Erhöhen lässt sich diese Anzahl ebenfalls durch das Erreichen von Zielen sowie durch Gegner-Tötungen, dadurch lassen sich dann beispielsweise die leichte Weste in eine stärkere Panzerung austauschen oder es darf noch eine Pistole mitgenommen werden. Die Idee finden wir eigentlich ganz gut, auch wenn das für Neueinsteiger eher kontraproduktiv ist, da so gute Spieler noch einen weiteren Vorteil gegenüber anderen bekommen.

Solide Grafik mit tollem Sound

Day of Infamy setzt so wie sein Vorgänger Insurgency auf die Source Engine, was vor allem an dem geringen Detailgrad der Umgebung und der teils mageren Qualität der Texturen bemerkbar ist. Dafür läuft das Spiel aber auch auf hohen Einstellungen mit alter Hardware sehr flüssig. Grafisch überzeugte uns das Spiel vor allem durch die detaillierten Waffen(-Animationen), den schicken Skyboxes sowie teils sehr schicke Lichteffekte.

Gore-Fans werden auch bedient, so ist der Titel allgemein sehr blutig und zeigt zerfetzte Spielerleichen. Einen kleinen lustigen Bug hatten wir beim Anspielen der Linux-Version jedoch, so waren die Augen unseres Charakters weiß leuchtend.

Neben weiteren kleineren weniger störenden Grafikfehler wie etwa kurz flimmerten Bäumen gibt es außerdem ein Problem beim Matchmaking, so wird man in seiner Steam-Freundesliste nicht als spielend angezeigt. Dadurch ist auch das einfache Mitspielen nicht möglich, wodurch sich manuell mit den Servern durch den Server-Browser verbunden werden muss.

Vor allem aber der Sound überzeugt uns, so klingen die Waffen und Luftschläge sehr realistisch und bedrohlich. Man bekommt so ein ein sehr bedrückendes Gefühl und auch ein wenig Angst beim Anflug einer Stuka.

Unser Fazit nach unserer Anspielzeit

Day of Infamy bedient nicht die Casual-Gamer, sondern Hardcore-Shooter-Fans, das hat der Entwickler auch schon mit seinem anderen Spiel Insurgency gezeigt. Nur wer das nötige Geschick und Durchhaltevermögen besitzt und dabei noch ein gutes Squad hat wird im Competitive-Mode Spaß haben. Wem das so wie uns zu schwer oder anstrengend ohne Teammates ist, der kann ansonsten immer noch im Koop spielen, dort sind die Gegner dank Bots dann einfacher und die Freude am Spiel ist gleich deutlich höher.

Wir finden Day of Infamy kann als geistlicher Nachfolger (oder besser Vorgänger?) von Insurgency mit WWII-Szenario betrachtet werden. Unsere einzigen Kritikpunkte sind neben der teils dürftigen Tutorials, die zu wenig Informationen bieten und nur in Videoform vorliegen, das Fehlen von Vehikel. Zwar wissen wir, dass dafür das komplette Spiel umgekrempelt werden müsste, dennoch würden wir zu gerne mit einem Panzer oder einer Stuka über die Map düsen.

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Konstantin

Neben Games4Linux mache ich gerne Videos auf YouTube und interessiere mich für verschiedene Themen rund um Server, Netzwerke und IT-Security.

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